3. August. Gerade dass wir aus Cloppenburg wieder zurück sind! Buffy und ich hatten heute unsere erste Ausstellung, und es ist so schlecht nicht gelaufen. Buffy hat in der Jugendklasse die Formwertnote V und den ersten Platz gemacht und das Jgd. CAC erhalten, obwohl Herrchen ziemlich aufgeregt war. Außerdem wurde er bester IT-Junghund. Er hat neben einer wichtig aussehenden Urkunde > auch einen silbernen (?) Löffel gewonnen, der zu Hause anerkennenden Jubel auslöste: Hat sich Eure Reise ja richtig gelohnt, meinte (wie ich jetzt mal bissig beifügen muss) das Res. Herrchen, nicht ganz frei von Süffisanz, und lachte sich halb schlapp über Buffy's erste Aussteuer.

30. August. Es gibt ein Leben außerhalb von Hundeshows! Schleifen hin und Urkunden her: wenn ich Buffy vor einigen Wochen schon in der Rüpelphase vermutete... jetzt, auf den Tag elf Monate alt, steckt er wirklich mittendrin. Er gehorcht nur noch nach seinem Gusto und so ruhig und umgänglich, wie er im Hause (meistens) ist, so wild und wüst ist er (mitunter) draußen. Er ist wahrhaftig ein sex maniac übelster Sorte. Vor allem kastrierte Rüden verfolgt er, dass es einem die Schamesröte ins Gesicht treibt. Es gibt Hundeausläufe, da nehmen mindestens die BesitzerInnen ebensolcher Rüden diese an die Leine, wenn sie Buffy und mich nur kommen sehen, und ziehen entnervt weiter. Wenn ich Buffy zu mir rufe, kommt er erst beim x-ten Mal und auch dann nicht zu mir in den Vorsitz (wie er es doch schon mal konnte), sondern baut sich zwei Meter vor mir auf und lässt gnädigst zu, dass ich ihn anleine...
Vor zwei Tagen hat er an der alten Ochtum, die wir inzwischen per Fahrrad erreichen können, einen um einiges größeren Rüden dermaßen bedrängt, dass ich mehr als peinlich berührt war (und zwar nicht aus moralischen Gründen). Der andere Rüde, ein Jagdhundmix aus Griechenland, deutlich älter als Buffy und durchaus wehrhaft, läuft häufig frei auf dem Deich, weil er sich – seiner griechischen Vergangenheit treu geblieben – gerne unabhängig und eigenständig bewegt. Buffy sieht den Hund, schießt wie ein Pfeil auf ihn zu, und wollte – ich sah es kommen – unmittelbar mit Schmackes aufreiten. Der Rüde versuchte Buffy zu entkommen, lief schnurstracks nach Hause, setzte über den Gartenzaun und wähnte sich in Sicherheit. Buffy sprang aber ohne auch nur einen Moment innezuhalten hinterher, trieb den anderen Hund unter einen mächtigen Nadelbaum und ließ ihn dort nicht mehr heraus. Der Jagdhund knurrte und schnappte wüst, Buffy fixierte ihn scharf und wich bestenfalls dem beeindruckenden Gebiss aus. Ich kam nicht unter den Baum, die Kinder, die zu Hund und Garten gehörten, konnte ich gerade noch davon abhalten, unter den Baum zu krabbeln. Schließlich hörte die Besitzerin das Getöse, es gelang ihr, ihren Hund heranzurufen. Buffy setzte wieder nach, wäre fast noch ins Haus eingedrungen. Aber zum Glück und mutmaßlich zur Freude unserer Haftpflichtversicherung konnte ich ihn im Windfang gerade noch abgreifen. Puuuh!

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Also, mein Hobby wird das nicht, sonntags morgens um kurz nach sechs aufzustehen, mit dem Hund eilig durch den Park, wenn noch die letzten Nachtschwärmer den Heimweg suchen. Die Bäcker haben um die Zeit auch noch zu. Also nur ein kleines Frühstück, passte auch besser zu meiner langsam heraufdräuenden Hektik. Buffy, so wurde mir vorher geraten, bekam noch weniger. Schmalhans war Küchenmeister. Das Auto hatte ich schon am Vorabend beladen. Also ab, auf die Autobahn. Wir waren zeitig in Cloppenburg, aber schon auf dem Parkplatz und bei der Impfpasskontrolle, verstärkte sich meine Aufregung. So viele Hunde! Buffy blieb auch nicht mehr ganz so cool, hing gleich das eine oder andere Mal knurrend an der Leine, als er aus dem Auto kam. Aber er beruhigte sich auch wieder – wie ich auch. Wir fanden den Gebäudeteil, den Ring, einen Platz am Tor zum Freigelände, der Durchzug versprach, und richteten uns ein. Dann hieß es warten. Buffy kam mit den anderen 1.000 gefühlten Hunden mittlerweile gut zurecht.
Die Airedales (gar nicht mal so wenige) waren zuerst an der Reihe und dann eben das Alphabet durch, bis endlich die ITs hätten dran kommen müssen. Jawohl: hätten! Müssen!
Wir machen ein paar Minuten Pause, hieß es. Und wie lange sind ein paar Minuten? Da geht man dann auf und ab, versucht, den Hund und sich selbst bei Laune (oder unter Spannung) zu halten.
... eine Schleife... hui! Das Herrchen hat sich mühsam verkniffen, sie ans nassgeregnete Sakko zu klemmen, aber hier – sozusagen unter uns! – dürfen wir wohl ein bisschen angeben...
Wir hatten für Ahlen gemeldet. Und obwohl der gestern Abend in Bremen einsetzende heftge Regen nichts Gutes verhieß, haben Buffy und ich uns heute früh auf den Weg gemacht. Auf halber Strecke schien es, als würde das Wetter besser, aber fleutschepiepen, es wurde bald wieder schlimmer... und – blieb es. Die Haseländer boten mir und etlichen anderen dankenswerter Weise Obdach im Zelt und verziehen auch, dass ich Susann eine kalte Dusche verpasste als ich mehr als ungeschickt das Regenwasser vom Dach drücken wollte.
Kurz vor dem Beginn des Richtens klarte der Himmel noch mal wieder ein bisschen auf. Die Airedales wurden bei sanftem Nieselregen gezeigt, und wir hatten einige Hoffnung, dass das Regengebiet durchgezogen wäre. Aber als schließlich die Iren an der Reihe kamen, goss es wieder wie aus Kübeln. Je näher wir dem Ring kamen, desto weniger waren Leute bereit, uns Unterschlupf zu geben. Wir standen also mit unseren Fiffis im Gedrängel unter Regenschirmen, und einmal mehr habe ich mir gewünscht, dass bloße Zuschauer nicht auch unmittelbar am Ringeinlass stehen würden, wo wir ja stehen müssen. Die Richterin (sie hört auf den schönen Vornamen Viva Maria, was uns die ganze Zeit an Louis Malles gleichnamigen Film denken ließ), gab Buffy das ersehnte V1 und das Jgd CAC (von dem die Schleife kündet). In ihrem Bericht > heißt es:
Nice head, excellent topline, back is short and straight, backlegs are parellel in movement, nice character, compact.
Wir haben uns wiederum erlaubt, die abgekürzten Worte auszuschreiben. Der Vollständigkeit halber und weil sie nicht mal in der Waschküche über dem Trimmtisch aufgehängt wird, sei hier noch die Urkunde > erwähnt.
Leider bin ich nicht dazu gekommen, alle Ergebnisse aufzuschreiben, aber es wird ja nicht allzu lange dauern, bis sie in den Foren nachzulesen sind... whoops, Frau Röder-Hache > war die schnellste!


Wenn er denn so entfesselt dahinrast, dann sieht das in etwa aus wie auf diesem Foto von heute Mittag, aufgenommen in einem bekannten Hundeauslaufgebiet am Bremer Stadtrand. Wir hatten vorsorglich jede Menge Leckerlis in der Tasche und haben damit seine Ausflüge und Rennattacken halbwegs erfolgreich begrenzen können – bis, ja bis eine fast noch läufige Dobermannhündin mit dem ungewöhnlichen Namen Möhre kurz vorm Parkplatz unseren Weg kreuzte und mir die Grenzen meines pädagogischen Geschicks sch(m)erzhaft deutlich aufgezeigt hat.
9. August. Ich hatte gelegentlich davon berichtet, dass Buffy die Lust am Jagen entdeckt hat. Das Laufen am Fahrrad hat vielleicht seinen Teil dazu beigetragen: Als er vor zwei Wochen etwa in einem selten von Flaneuren aber häufig von Kaninchen besuchten Parkabschnitt angeleint neben dem Rad gelaufen ist, hat er mit großem Interesse die Karnickel rechts und linkes des Weges äsen sehen – und es hat ihm augenscheinlich sehr gefallen, wie die Tierchen, nachdem sie uns wahrgenommen hatten, hektisch in alle Richtungen davonstoben. Das Tempo am Rad hat das wohl das Seine beigetragen. Fast wäre mir Buffy noch vors Fahrrad gesprungen.
Ein paar Tage später ist er mir an derselben Stelle stiften gegangen, nachdem er – diesmal frei laufend – die Kaninchen wiederum gesehen hatte. Es hat einige lange Minuten gedauert, bis ich ihn endlich an der Leine hatte, und er war noch länger danach ziemlich außer sich. Jedem vorbei flatternden Vogel wäre er am liebsten nachgerannt. Seit ein paar Tagen weiß er nun von den einschlägigen Plätzen: da sind Kaninchen! Er braucht den optischen Reiz nicht mehr. Das Wissen reicht, damit er auf totalen Durchzug schaltet! Vorgestern ist er mir an einer verkehrstechnisch ziemlich schwierigen Stelle abgezischt, in einem Grünstreifen, der von der Weser, einer Bahnlinie und der Stadtautobahn begrenzt wird. Mir schlug das Herz bis zum Hals! Verblüffend war, wie er mit einem Affentempo teilweise in sehr engen Bahnen an mir vorbeizischte, und trotzdem nicht einmal ansatzweise auf mein Rufen (und Schreien!) reagierte.

Und auf einmal war's dann soweit. Wir mussten in den Ring. Alleine! Die freundliche Richterin half uns beiden greenhorns. Als Buffy nicht wie gebildhauert still stehen wollte, ließ sie mich ihn auf den Tisch setzen. Da lief es gleich viel besser. Dann ein paar Runden laufen. Dreiecke auch. Auf dem Boden lagen runde Abdeckplatten versenkt. Weiß der Himmel, was darunter war. Gehen Sie da mal lieber umzu, sagte die Richterin, irgendwie wollen die Hunde da heute alle drüber springen. Irgendwann hatten wir dann das V1, das CAC. Raus aus'm Ring. Nicht weglaufen, bremsten mich schon die ersten, und tatsächlich mussten wir dann gleich wieder zurück. Es ging um den besten Hund (das wurde Donegals Blind Date) und dann um den besten Junghund (das wurde Buffy). Uff!
Da lief mir jemand mit dem besagten Löffel hinterher und mit einer roten Karte, die diesmal keinen Platzverweis bedeutete, sondern die Aufforderung, später im Ehrenring um den besten Junghund zu konkurrieren. Also wieder warten. Auf den Richterbericht und die nächste Runde. Im Ehrenring, wohin wir inzwischen unseren Umzug erledigt hatten, waren erst zwei Altersgruppen (Kinder und Jugendliche) beim Juniorhandling zu beobachten. Die Richterin nahm sich seeeeehr viel Zeit. Buffy pennte in der Box. Irgendwann fragte ich Blind Date's Besitzer, ob Sie wüssten, wann es weitergehe. Na jetzt!, meinte Frau Plagge etwas überrascht, die sammeln sich schon im Vorring! Also schnell den Wauwi aus der Faltbox. Los! Den bürsten wir schnell noch einmal über, sagte Frau Plagge. Ich machte die linke, sie die rechte Seite. Was mich sehr beruhigt hat. Dann ab in den Vorring. Dort der Schreck. Hatte ich geglaubt, dass nun die besten jungen Terrier ermittelt würden, waren mit 'm mal alle (?) besten Junghunde ihrer Rassen da. Waren es fünfzig, sechzig oder noch mehr Hunde? Und was passierte? Meine geliehene Vorführleine ging kaputt. Gut, dass ich irgendwann eine eigene gekauft hatte! Raus aus dem Vorring, die neue Leine geholt, wieder rein. Das machte Herrn und Hund nicht eben munterer!
Im Vorring wurde die Reihenfolge des Einlaufens festgelegt (was ziemlich dauerte) und dann ging es mit gebührendem Abstand und nach vorheriger Ansage in den Ehrenring, um den sich zwischenzeitlich doch eine ganze Menge Leute zusammengefunden hatte. Was soll ich sagen? Buffy lief ganz gut. Doch der Platz reichte nicht aus. Zunächst wurde ein zweiter, innerer Kreis gebildet. Dann hieß es, die Hunde sollten dichter zusammenrücken. Dann aber standen die Hunde so, dass jeder die Nase am Hintern des Vorderhunds hatte, was wirklich doof war. Buffy stand nicht so schlecht, die Rute war aber öfter mal auf Halbmast. Und wenn der Richterblick auch kurz aber wahrnehmbar an ihm hängen blieb, mussten wir doch mit dem ersten Schubs raus.
Dafür gab's danach endlich den Richterbericht > (der wahrscheinlich nur so lange zurückgehalten wurde, damit die Leute nicht vorher die Segel strichen). Wenn man dann aber einen richtig schönen Bericht über seinen Hund liest, dann werte LeserInnen, geht das runter wie feinstes Öl. Gänzlich unbescheiden, den Fans zum Gefallen, den anderen mit der Bitte um Nachsicht, zitiere ich nun diesen Bericht, und nehme mir im Überschwang heraus, die gängigen Abkürzungen auszuschreiben (das mutet dann irgendwie auch lyrischer an):
Eleganter Jungrüde, langer schmaler Kopf, dunkle, vorzüglich eingesetzte Augen, korrekte Ohren, Hals von korrekter Länge, schräge Schulterlage, vorzügliches Gebäude, hoch angesetzte Rute, korrekt bemuskelt und korrekte Hinterhand, raumgreifende und parallele Bewegung.
Und, liebes Publikum, was ich vorher nicht für möglich gehalten habe (und wovon ich nicht weiß, wie lange es tatsächlich anhält): DAS schmeckt nach mehr!
Fotos (2): © Anne D. Schans. Nicht nur für die Bilder: Danke!
4. August. Am Tag danach relativiert dieser Link > auf die Seite des KfT und die interessante Antwort auf die Frage, Was kostet ein Champion?, meinen Überschwang.
Und dann ist da dieser brave Hund! Wenn ich mit ihm an lockerer Leine durch die Stadt laufe, lachen kleine Kinder bei seinem Anblick vor Freude, auch die, die etwas Respekt vor Hunden haben, weichen zuerst aus, gucken dann genauer hin und lachen unvermittelt los. Die Erwachsenen – natürlich: nicht alle! – sind oftmals regelrecht ergriffen, was für ein schöner Hund!, höre ich dann oft und bedanke mich für die Komplimente, die eigentlich Buffy gelten. Der scheint die Bewunderung zu spüren, zeigt sich von seiner besten Seite, lässt sich geduldig streicheln, ohne die Leute, geschweige denn Kinder, anzuspringen.
In den Parks jedoch, auf den Hundewiesen zumal, hängt er wieder den Rambo raus, pinkelt dreist gegen die abgestellten Rucksäche anderer Hundeleute, mischt alles kackfrech auf, sodass ich inständig hoffe, er möge demnächst mal seinen 4-beinigen Meister finden, der mich in der weiteren Erziehung effektvoll unterstützt.
Eines jedoch habe ich in den letzten zwei, drei Monaten gelernt: im Leben würde ich keinen Rüden (ohne medizinische Indikation) kastrieren lassen!